Wie du in 3 Schritten deine Wunschteilnehmer*innen findest

Katharina (32) hat in Neubrandenburg Soziale Arbeit studiert. Nach dem Abi entschied sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr in einem Pflegeheim. Heute arbeitet sie als Sozialarbeiterin in einer alternativen Bildungseinrichtung mit Kindern und Jugendlichen. Katha, wie sie in ihrem Umfeld genannt wird, ist auf der Suche nach neuen Ideen für Projekte mit ihren Kids. Außerdem wäre etwas gegen Rechtsextremismus super, denn in ihrer Heimatstadt in Mecklenburg-Vorpommern gibt es schon seit Jahren ein Problem damit.

Katharina ist nicht real. Aber sie ist gut erfunden. Und genau darum ging es uns, als wir vom Peernetzwerk JETZT in einem Online-Workshop zusammenkamen, um über unsere Zielgruppe nachzudenken. Am Ende des Abends hatten wir zu unserer Überraschung zwei ganz verschiedene Zielgruppen. Doch wie kamen wir dazu?

Schritt 1: Erstelle mehrere Persona.

“Überlegt euch eine Person, von der ihr glaubt, sie würde von unseren Angeboten profitieren.”, bat ich die Peers zum Einstieg in das Treffen. Um die Fantasie anzuregen, bekam die Gruppe eine ganze Reihe von Zeichnungen, die ausgewählt, und dann mit “Leben gefüllt” werden sollten. 

Aus den Zeichnungen wurden so Persönlichkeiten. Egal, ob es der 19-jährige Tim aus Magdeburg war, der für seinen Verein auf der Suche nach Professionalisierungs-Angeboten war, oder die 27-jährige Martha aus Hamburg, die mit Jugendlichen in Brennpunktbezirken arbeitet – jede Zeichnung erhielt ihre eigene Geschichte, wurde zur Persona.

Persona zu erstellen, ist ein gängiger Arbeitsschritt während der Zielgruppenanalyse. Wir versuchten dabei, unsere Wunschteilnehmer*innen zu definieren, also jene Menschen, mit denen wir am liebsten zusammenarbeiten möchten. Deshalb kommt es hier auf die Details an:

  • demographische Angaben: Wie heißt die Person? Wie alt ist sie? Wie ist ihre Lebenssituation?
  • geographische Angaben: Wo wohnt die Person? In welcher Stadt? In welchem Stadtteil? 
  • psychographische Angaben: Wie ist ihr Lebensstil? Welche Einstellungen und Werte vertritt sie? Welchen Hobbies geht sie nach?
  • technographische Angaben: Welche Social Media-Kanäle nutzt sie? Verhält sie sich dort aktiv oder passiv?

Je umfangreicher du deine Persona beschreibst, desto mehr Anhaltspunkte hast du, wo du deine Zielgruppe in der Realität finden kannst. Ist deine Zielgruppe eher auf Twitter oder auf Instagram unterwegs? Sind sie bereits in Vereinen engagiert oder haben sie mit dem Thema Ehrenamt noch gar nichts am Hut?

Schritt 2: Sortiere die Persona in verschiedene Gruppen.

Nachdem alle ihre Persona vorgestellt hatten, bemerkten wir schnell: “Wir können die Persona in verschiedene Gruppen sortieren!” Bei uns gab es einmal die Persona im Alter von 16 bis 20, die sich ehrenamtlich engagieren, und die Persona im Alter von 25 bis 35, die für Organisationen arbeiten, und auf der Suche nach Inspirationen für Bildungsangebote sind. Das war eine spannende Erkenntnis für uns! Für einige von uns steht die Arbeit mit Jugendlichen im Vordergrund, für andere die Vernetzung und der Austausch mit anderen Organisationen aus dem Bildungsbereich. Mit dem Wissen um diese Präferenzen, werden wir unsere Veranstaltungen in Zukunft eindeutiger ausrichten können: Nämlich entweder für die eine, oder die andere Zielgruppe.

Wenn du mehrere Zielgruppen hast, ist es wichtig eine Entscheidung zu treffen, welche Zielgruppe du mit welchem Angebot und welcher Idee ansprechen willst. 

Schritt 3: Finde den Mehrwert für deine Persona.

In deinem Verein gibt es wahrscheinlich unzählige Angebote, die Mehrwert bieten. Doch welche Angebote sind für welche Persona, oder für welche Teilnehmendenkreis, aus welchem Grund besonders attraktiv?

Im dritten und letzten Schritt arbeiteten wir mit dem Value Proposition Canvas (VPC) nach Peter J Thompson. Thompson hat in seiner Variante des VPC verhaltenspsychologische Erkenntnisse berücksichtigt. So überlegten wir uns, welche Wünsche, Bedürfnisse und Erlebnisse unsere Persona mit unseren Angeboten verbinden.

In diesem Schritt werden Lücken schnell erkannt und können mit neuen Angeboten oder Anpassungen an bereits bestehenden geschlossen werden. 

Jede Veranstaltung, jede Social Media-Aktion und jedes Webinar, sollte aus Sicht der Teilnehmenden, deiner Zielgruppe, gedacht werden. 

Nun war es vollbracht – nach diesen drei Schritten haben wir in unserer kleinen Gruppe fünf Persona erstellt, die stellvertretend für unsere Wunschteilnehmer*innen stehen. Wir haben herausgefunden, dass wir zwei Zielgruppen bedienen: ehrenamtlich aktive junge Menschen und Personen aus Organisationen, die mit diesen Menschen arbeiten.
Zu guter Letzt konnten wir so den Mehrwert definieren, den wir den beiden Gruppen liefern können, und unsere Angebote in zwei Bereiche unterteilen.


Die Arbeit hat sich für uns gelohnt. Und sie kann sich auch für dich lohnen. Wenn auch du auf der Suche nach deiner Zielgruppe bist, oder deine Organisation Klarheit darüber gebrauchen könnte, dann laden wir dich zu unserem Online-Workshop “Für wen machst du das eigentlich? Wunschteilnehmer*innen finden mit Zielgruppenanalyse”ein. Gemeinsam durchlaufen wir die drei Schritte, bezogen auf deine Organisation, und beleuchten deine Wunschteilnehmer*innen dabei ganz genau. Um Blockaden zu vermeiden, liefern wir während des Prozesses stetig Impulse und zielführende Fragen. 

Du möchtest am Online-Workshop teilnehmen? Schreib uns eine Mail an info@peernetzwerk-jetzt.de.

Für wen machst du das eigentlich?

Erik Fandrich

Erik arbeitet als Projektreferent im Peernetzwerk JETZT e.V. und als Vortragscoach an der Universität Potsdam.

3 Kommentare zu „Für wen machst du das eigentlich?

  • 11. Mai 2020 um 08:10
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    Vielen Dank für diesen Beitrag. Er hat mich sehr für die Überlegungen zur Zielgruppe in unserer Organisation inspiriert. Was mich interessieren würde: Wieviele Personen waren in dem Prozess (also den drei Schritten, die du beschreibst) involviert? Und wieviel Zeit sollte für jeden Schritt veranschlagt werden?

    Antworten
    • 11. Mai 2020 um 13:36
      Permalink

      Schön, dass dich der Artikel inspiriert hat! An unserem ersten Probelauf, auf den sich der Artikel bezieht, waren vier Personen beteiligt. Uns ging es im ersten Durchlauf um einen ersten spontanen Eindruck. Für die einzelnen Schritte haben wir deshalb nur je fünfzehn Minuten für die kreative Arbeit eingeplant. Je nachdem, wie detailiert die Beschreibungen werden sollen, können diese Arbeitsphasen aber enorm gedehnt werden. Bei einer intensiven Auseinandersetzung mit der Persona, können die Schritte 1 (Persona) und 3 (Value Proposition Canvas) gut und gern jeweils eine Stunde dauern. Dann könnte man diese Schritte sogar mit Feedback-Phasen und Pausen bereichern.

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  • 28. Mai 2020 um 10:23
    Permalink

    Hallo,
    wie schade ich habe Eurer Webinar leider verpasst.
    Würde aber sehr gerne auch für meine Organisation ein Kinderhilfswerk eine genaue Zielgruppe mir Hilfe der Customa Persona erstellen. Seht Ihr da eine Möglichkeit?
    würde mich freuen von Euch zu hören.
    Lieben Gruß
    A.J.

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